Spezialvorlesung
"Quantenalgorithmen und Quantenkryptographie"
Wintersemester 2007/2008
| Veranstalter: |
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Detlef Sieling
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| Umfang der
Veranstaltung: |
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4 SWS Vorlesung |
| Termin: |
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Dienstags, 12.15-13.45 Uhr, OH-16, E07
Donnerstags, 14.15-15.45 Uhr, OH-14, 304
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| Beginn der
Vorlesung: |
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16.10.2007
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Quantenrechner sind ein Berechnungsmodell, von dem vermutet wird, dass
man damit manche algorithmischen Probleme effizienter als mit gewöhnlichen
klassischen Rechnern lösen kann. Beispielsweise kennt man zurzeit für das
Problem der Faktorisierung von ganzen Zahlen keinen effizienten
Algorithmus für klassische Rechner, wohl aber einen
effizienten Algorithmus für Quantenrechner. Allerdings können derzeit nur
winzig kleine Quantenrechner praktisch realisiert werden; an der
Realisierung von größeren Quantenrechnern wird intensiv geforscht.
Die Sicherheit der meisten bekannten kryptographischen Systeme beruht auf
Annahmen, dass bestimmte mathematische Probleme keine effizienten Algorithmen
haben. Aus solchen Annahmen kann man dann folgern, dass es auch für das Brechen
des jeweiligen kryptographischen Systems keinen effizienten Algorithmus gibt,
das System also sicher ist. Insbesondere die Sicherheit des RSA-Systems beruht
auf der Annahme, dass es keinen effizienten Algorithmus für das Faktorisieren
von ganzen Zahlen gibt. Ob diese Annahme stimmt, ist derzeit unbekannt.
Aber selbst wenn das Faktorisierungsproblem keinen effizienten Algorithmus
für gewöhnliche Rechner hat, könnte es irgendwann einmal Quantenrechner
geben, mit denen das RSA-System gebrochen werden kann.
In der Quantenkryptographie versucht man dieses Problem durch die
Konstruktion von beweisbar sicheren kryptographischen Protokollen zu
vermeiden. Für den Beweis der Sicherheit derartiger Protokolle benötigt
man keine Annahmen über die Nichtexistenz von effizienten Algorithmen
mehr. Die einzige Annahme, die für den Beweis der Sicherheit noch
benötigt wird, besteht darin, dass die derzeit bekannten Naturgesetze,
insbesondere die Quantentheorie, zutreffend sind.
In der Vorlesung sollen zunächst die Grundlagen für die Beschreibung von
Quantenalgorithmen erarbeitet werden. Danach sollen die bekannten
Quantenalgorithmen vorgestellt werden, nämlich der bereits erwähnte
Faktorisierungsalgorithmus und ein Algorithmus für ein bestimmtes
Suchproblem. Anschließend wird das BB84-Protokoll aus der Quantenkryptographie
zusammen mit einem Beweis seiner Sicherheit behandelt.
Inhalt der Vorlesungen
- 16.10.2007: Einführung, historische Entwicklung, Qubits, Messungen,
EPR-Paare
- 18.10.2007: Systeme mit n Qubits, Tensorprodukt, Blochsphäre,
unitäre und normerhaltende Operationen, Operationen auf
einem Qubit, CNOT
- 23.10.2007: Quantenschaltkreise, No-Cloning-Theorem, Quantum Teleportation
- 25.10.2007: Simulation von klassischen Schaltkreisen, Deutsch-Algorithmus,
Deutsch-Jozsa-Algorithmus, Einführung lineare Algebra:
Hilberträume
- 30.10.2007: Äußeres Produkt, adjungierte Operatoren, Projektionen,
Eigenwerte, Spur, Wurzeln aus linearen Operatoren,
Einführung Quantentheorie: Postulat zur
Beschreibung von Zuständen
- 06.11.2007: Reine und gemischte Zustände, zusammengesetzte Systeme,
partielle Spur
- 08.11.2007: Unitäre Zustandsentwicklung, Dekohärenz, Messungen
- 13.11.2007: Filtermessungen, universelle Bausteinsätze für
Quantenschaltkreise
- 19.11.2007: Quanten-Fourier-Transformation: Definition, Produktformel,
Quantenschaltkreis; Phasenbestimmung für Phasen mit
endlicher Binärdarstellung
- 20.11.2007: Approximation von Phasen ohne endliche Binärdarstellung,
Ordnungsproblem, Formulierung des Ordnungsproblems als
Phasenbestimmung, Erzeugung der benötigten Eigenvektoren
- 22.11.2007: Realisierung der benötigten unitären Transformation
mit Quantenschaltkreisen, Kettenbruchmethode,
Fehlermöglichkeiten beim vorgestellten Algorithmus und
Abschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeit
(Anmerkung), erste Ideen
für die Reduktion des Faktorisierungsproblems auf die
Ordnungsberechnung
- 27.11.2007: Reduktion des Faktorisierungsproblems auf die
Ordnungsberechnung, Abschätzung der
Versagenswahrscheinlichkeit
- 29.11.2007: Abschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeit des
gesamten Algorithmus und der benötigten Iterationen,
Faktorisierung von 21, Brechen des
RSA-Systems mit nur einer Ordnungsberechnung,
Einführung Quantensuchalgorithmen, Ablauf des
Grover-Algorithmus
- 04.12.2007: Geometrische Interpretation der Grover-Iteration, Bestimmung
der Anzahl der Iterationen und Abschätzung der
Fehlerwahrscheinlichkeit, Abschätzung von M mit dem
Quantenschaltkreis für die Phasenbestimmung
- 06.12.2007: Fehlerabschätzung für die Kombination aus
Phasenbestimmung und Grover-Algorithmus,
Berechnung des Minimums, Überblick
über Teil 2 der Vorlesung
- 11.12.2007: Einführung und Überblick zur klassischen
Kryptographie, die Cäsar-Chiffre, die Vernam-Chiffre
und ihre Sicherheit
- 13.12.2007: Schlüssellänge bei informationstheoretischer
Sicherheit, das Diffie-Hellman-System zum
Schlüsselaustausch, Authentifizierung mit
stark universellen Hashfunktionen, Schritte 1 und 2 der
Konstruktion von geeigneten Hashfunktionen
- 18.12.2007: Vervollständigung der Konstruktion von Hashfunktionen,
Entropie, gegenseitige Information, Privacy Amplification
- 20.12.2007: Bit Commitment mit quadratischen Resten, POVMs,
Einführung in die Abstandsmaße Trace-Distanz
und Fidelity
- 08.01.2008: Eigenschaften der Trace-Distanz, die Fidelity von einem
reinen und einem gemischten Zustand
- 14.01.2008: Satz von Uhlmann, Minimierung der Fehlerwahrscheinlichkeit
bei der Unterscheidung von nichtorthogonalen Zuständen
- 15.01.2008: Konstruktion einer Messung mit minimaler
Fehlerwahrscheinlichkeit, lineare Codes, Einführung
CSS-Codes
- 17.01.2008: Fehlerkorrektur bei CSS-Codes, Eigenschaften von
CSSu,v, Einführung
Quantenkryptographieprotokolle, Verwendung von
nichtorthogonalen Zuständen
- 24.01.2008: Locking, Schlüsselerzeugung aus EPR-Paaren, ein
hinreichendes Kriterium für die Sicherheit
- 25.01.2008: Das EPR-Protokoll, kommutierende Messungen, die EPR-Basis
und Messungen für Bit-Flips und Phase-Flips
- 29.01.2008: Lokale Realisierungen der Messungen, ein
Random-Sampling-Ansatz zur Verringerung der Anzahl der
Messungen
- 31.01.2008: Lokale Messungen auf den Testqubits, Fehlerkorrektur,
Verschiebung der Hadamard-Transformationen.
Prepare-and-Measure-Protokolle: Vermeidung der Erzeugung
von EPR-Paaren, Verzicht auf die Phasenkorrektur
- 05.02.2008: Verzicht auf die Erzeugung von u, Modifikation der
Erzeugung von k, das BB84-Protokoll
- 07.02.2008: Realisierung des BB84-Protokolls mit Photonen und
denkbare Angriffe gegen die Realisierung, ein Protokoll
für Quantum Bit Commitment und ein gegen dieses Protokoll
Übungen
Es gibt keine Übungsgruppen zu dieser Vorlesung. Allerdings ist
es sinnvoll, Übungsaufgaben selbstständig zu rechnen, um den
Vorlesungsstoff zu vertiefen und Routine im Umgang mit den Begriffen
und Formalismen aus der Vorlesung zu bekommen. In der angegebenen
Literatur finden sich zahlreiche Übungsaufgaben. Zusätzlich
werden in der Vorlesung in unregelmäßigen Abständen
Übungsblätter ausgegeben. In der Vorlesung werden allerdings
nur einzelne Aufgaben und diese auch nur auf Nachfrage besprochen. Die
Übungsblätter sind auch hier
erhältlich.
Literatur
07.02.2008 - Detlef
Sieling
Universität Dortmund